Was ist Gebärdensprache?
Gebärdensprache ist eine sowohl für Gehörlose als auch Hörende vollständig zugängliche und erlernbare Sprache mit der sich ebenso Gefühle und komplexe Inhalte kommunizieren und diskutieren lassen.

Ist Gebärdensprache international?
Nein, jedes Land hat seine eigene Gebärdensprache, so wie jedes Land seine eigene Lautsprache hat. Natürlich gibt es Parallelen und Ähnlichkeiten von Gebärdensprachen. So wie sich unsere Lautsprachen auch untereinander in gewissen Punkten ähneln (z.B. Deutsch – Dänisch, Spanisch – Portugiesisch) oder unterscheiden (z.B. Deutsch – Chinesisch). Das ist abhängig vom Austausch der Gehörlosenkulturen untereinander und dem Einfluss, der daraus entsteht.

Es gibt in den jeweiligen Gebärdensprachen auch Dialekte. So spricht man in Hamburg einige Wörter anders als in Berlin oder München.

Deutsche Gebärdensprache ist doch Deutsch nur mit Pantomime , oder?
Nein, die Deutsche Gebärdensprache ist keine Pantomime mit deutscher Grammatik. Sie hat eine ganz eigene, einer Lautsprache ebenbürtige und vollständige Grammatik. Nur mit dem Unterschied, dass nicht Töne sondern Handformen, Bewegung und Mimik die Basis dieser Sprache sind.

Was ist falsch an dem Wort „taubstumm“?
Das Wort „taubstumm“ suggeriert eine Sprachlosigkeit. Menschen, die allerdings Töne schlecht wahrnehmen können, sind keineswegs sprachlos. Die Gebärdensprachen sind Sprachen, die tauben und schwerhörigen Menschen zu 100% zugänglich sind. Diese Sprachen sind vollwertige Sprachen, ohne Unterschied zu unseren Lautsprachen.

Früher ist man davon ausgegangen, dass taube Menschen nicht sprechen können.  Nicht selten wurden sie auch durch die schlechte Artikulation für dumm gehalten. Dabei wurde außer Acht gelassen, dass Lautsprache ohne Gehör kaum zu kontrollieren ist. Taube Menschen sind nicht zwangsläufig auch medizinisch stumm, also ohne Stimmorgan. Ihnen fehlt nur die Möglichkeit, über die Ohren die Stimme so zu kontrollieren, wie man es mit Gehör könnte.

Momentan gibt es eine Diskussion über die Begriffe „gehörlos “ und „Taub “.
Das Wort „gehörlos“ impliziert immer noch ein „fehlen“, also eine Anomalität, während „taub“ lediglich eine Feststellung beinhaltet, ohne negative Wertung. Dementsprechend gehen immer mehr Menschen dazu über „taub“ statt „gehörlos“ zu sagen.

Gibt es überhaupt so viele Gehörlose?
Als gehörlos oder taub werden statistisch nur diejenigen erfasst, deren Hörkurve  bei 125 und 250 Hz mehr als 60 dB sowie mehr als 100 dB Absenkung hat. Man geht davon aus, dass ca. 80.000 Menschen in  Deutschland taub sind. Allerdings ist die Zahl von Schwerhörigen, die zwar einige Töne wahrnehmen, aber Sprache nicht zu 100% verstehen können, vielfach höher.

In die Statistik werden nicht die Menschen aufgenommen, die Gebärdensprache nutzen, weil sie beispielsweise gesprochene Sprache schlecht hören können oder eine kommunikative Behinderung oder eine Mehrfachbehinderung haben und für die Gebärdensprache eine leichter zugängliche Sprache ist. Der Bedarf an gebärdensprachlichen Medien ist dementsprechend weit höher, als die Statistik zunächst vermuten lässt.

Aber mit den neuen implantierten Hörgeräten (Cochlea Implantat) gibt es doch keine Gehörlosen mehr, oder?
Das ist so nicht richtig. Ein CI (Cochlea Implantat) kann in einigen Fällen zu einem verbesserten Hörergebnis führen. Sobald dieses CI allerdings ausfällt, es zu warm oder nass wird, sind taube Menschen wieder taub und können auf die Lautsprache nicht mehr zugreifen.  Dieser Fakt wird oft vernachlässigt. Auch kann nicht jede Gehörlosigkeit durch ein CI vollständig behoben werden. Ein CI ist eine Prothese, ein Hilfsmittel. Nicht mehr und nicht weniger.

Gehörlose können doch Lippen lesen...
Auch hier gibt es ein klares „Jein“. Die Deutsche Sprache ist nicht 100% von den Lippen ablesbar. Es gibt Mundbilder, die sich sehr ähnlich sehen. Wörter unterscheiden sich  von dem Lippenbild kaum und nur durch den Ton, der in der Mundhöhle gebildet wird. So zum Beispiel „Hund“ und „Und“. Dementsprechend müssen viele Satzteile durch Kombination von gelesenen Wörtern und dem Kontext erraten werden. Ist jemand schwerhörig, so fällt das Raten mit Hilfe von einigen Tönen etwas einfacher, als wenn das Gehör vollständig fehlt. Lippenlesen ist mit hoher Konzentration verbunden und der Lesende muss vollständig fit in der Grammatik der zu lesenden Lautsprache sein. Man sollte also nicht davon ausgehen, dass ausnahmslos jeder Gehörlose diese Vorraussetzungen mitbringt.

Wofür Gebärdensprache – Gehörlose können doch lesen. Untertitel sollten also reichen.
Ein nachvollziehbarer Gedanke, der leider nicht ganz der Realität entspricht. Zum Einen ist das Untertitelangebot viel kleiner, als man allgemein annehmen würde, zum Anderen setzt es voraus, dass Gehörlose fit in Schriftdeutsch sind.

Man sollte es nicht verallgemeinern, aber grundsätzlich ist der Bildungsstand Gehörloser durch die Schulpolitik in Deutschland und auch die unterschiedlichen Auffassungen von Erziehungsmethoden von Gehörlosen sehr unterschiedlich. Je nach Umfeld, Familienleben, Erziehung und schulischer Ausbildung kann das Sprachverständnis für Deutsch zwischen sehr gering bis Universitätsniveau schwanken. Deutsch ist eine Sprache, die oral orientiert und somit für Gehörlose schwer nachvollziehbar  bzw. zugänglich ist. Die Lautsprache, auch in Schriftform, bezieht sich auf Laute und Untertöne. Dies birgt eine große Gefahr von Missverständnissen in sich.

Informationen in Gebärdensprache sind für Menschen mit Hörschädigungen voll und ohne Anstrengungen und vor allem ohne Missverständnisse zugänglich.